Mittelalterliche Reit- und Kampfkunst

auf der Veste Coburg

Un Paso Honroso

9., 10., 12., 13. August 2017

Liebe Besucherinnen, liebe Besucher,

Dr. Klaus Weschenfelder

die weltweit besten Akteure in Sachen Rittertum und Reit- und Kampfkunst werden im August in Coburg ihr Können zeigen. Die Innenhöfe der Veste verwandeln sich dazu in einen mittelalterlichen Lager- und Kampfplatz. Die Veranstaltung steht in der Tradition des alle zwei Jahre unter großem Zuspruch auf der Veste durchgeführten Programms „Zeitreise in die Vergangenheit“. Als Deutschlandpremiere stellt „Un Paso Honroso“ ein Highlight im Begleitprogramm zur Bayerischen Landesausstellung dar.
„Un Paso Honroso“ ist kein Ritterspektakel. Vielmehr geht es darum, Geschichte so authentisch wie möglich darzustellen. Die Akteure sind versierte Spezialisten, die bei Turnieren mit ihren Pferden in der Szene international von sich reden machen.

Im Turnierbuch Herzog Johann Friedrich des Großmütigen, entstanden zwischen 1521 bis 1534 und heute aufbewahrt in den Kunstsammlungen der Veste Coburg, sehen wir faszinierende, farbenprächtige und detailreiche Szenen. Wenn Sie erleben wollen, wie diese Ritter von einst plötzlich tatsächlich aufeinandertreffen, wenn Sie die Pferde schnauben hören und galoppieren sehen wollen, wenn Sie die Ankleidezeremonie, die Rüstungsschau, das höfische Drumherum – unterstützt von vielen Gruppen der Reenactment-Szene – beobachten wollen, dann kommen Sie auf die Veste!

Dr. Klaus Weschenfelder
Direktor der Kunstsammlungen der Veste Coburg

Ritter, Pferde, Lanzenkampf: Un Paso Honroso ist lebendige Geschichte

Tapfere Ritter, stolze Burgen, schöne Frauen: Dies sind Vorstellungen vom Mittelalter, wie sie viele Menschen teilen. Die im Ursprung mittelalterliche Veste bietet eine grandiose Kulisse, vor der die Kunstsammlungen der Veste Coburg und die Stadt Coburg in einer deutschlandweit bislang einzigartigen Living History-Veranstaltung die Besucher in eine spannende, romantische und farbenfrohe Welt entführen.
Die international besten Akteure ritterlicher Kampfkunst sind die Hauptdarsteller. Sie präsentieren Reit- und Kampfkunst ästhetisch und in höchster Vollendung – wie einst die mittelalterlichen Ritter Suero de Quiñones oder Jacques de Lalaing. Die Gruppe um den Niederländer Arne Koets ist dabei die einzige, die den Tjost – den turniermäßigen Kampf zu Pferd – authentisch mit ungeschwächten Lanzen führt.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die vierbeinigen Stars der Vorführungen: die Andalusierpferde Maximilian und Talento, die Lusitanos Sultan und Gladiator und der Murgese Zogo. Erstmals zu Gast in Coburg und Teil der Vorführung ist die international bekannte Gruppe Contrada Monticelli. Sie beherrscht virtuos die mittelalterliche Kunst des Fahnenschwenkens und ist vielfacher italienischer Meister.

Ergänzt durch rund 70 Mitwirkende von bestens ausgestatteten Reenactment-Gruppen aus dem In- und Ausland ergibt sich ein lebendiges, farbenprächtiges und klangvolles Bild – ein ereignisreiches Gesamtkunstwerk aus der Welt des späten Mittelalters.

Lanzen für die Liebe brechen – die wahre Geschichte dahinter

Bis in die heutige Zeit wirkt ein romantisches Idealbild nach, welches Kaiser Maximilian (1459-1519) lange nach der eigentlichen Blütezeit des Rittertums im 11. Jahrhundert mit halbfiktiven Biografien wie dem Wiesskunig, dem Freydal oder dem Theuerdank geschaffen hat. Es ist das Bild des Helden, dessen gesamtes Leben von den alten Idealen des Rittertums wie kriegerischer Tüchtigkeit, Treue gegenüber dem Lehnsherrn, Schutz der Schwachen und der Kirche sowie der Verehrung der Frauen (Minne) bestimmt war.

Aber auch tatsächliche spätmittelalterliche Protagonisten dieser Ideale wie die Adeligen Suero de Quiñones (1409-1456) oder Jacques de Lalaing (1421-1453) trugen zum dauerhaften Bild vom ritterlichen Helden bei. Ihre edlen und ruhmvollen Taten bei Turnieren und individuellen Waffengängen (frz.: Pas d’Armes) wurden einem begeisterten Publikum durch mündliche oder schriftliche Überlieferung zeitnah zugänglich gemacht.

Von der größten Tat des Suero de Quiñones gibt es mehrere Überlieferungen. Dies ist die romantischste: Aus Liebe (Minne) zu einer Dame schwor der Adelige, rund um den Jakobstag des Jahres 1434 dreihundert Lanzen zu „brechen“. Mit zehn Kampfgefährten zog er zur Brücke von Orbigo und forderte alle nach Santiago de Compostela pilgernden Ritter zu einem Zweikampf.

Der ritterliche Ehrenkodex erlaubte es kaum einem der Vorbeiziehenden, dies auszuschlagen. Vom 10. Juli bis zum 9. August bestritten Quiñones und seine Gefährten insgesamt 166 Pas d’Armes, also Waffengänge. Danach waren er und seine Mitstreiter so geschwächt und verletzt, dass sie nicht mehr weiterkämpfen konnten und den Schwur kurzerhand als erfüllt erklärten. Die Begebenheit wurde vom Stadtschreiber von Orbigo im Detail dokumentiert und in der Folge als Libro del Passo Honroso, dem Buch vom Ehrenvollen Gang, veröffentlicht.

Der ritterliche Vergleich

Aus dem Hastilidium (oder Lanzenspiel) des 11. Jahrhunderts entwickelten sich verschiedene Kampf- und Turnierveranstaltungen. Heute denkt man dabei meist an den Lanzenkampf über die Pallia (Schranke). Das Wort Turnier bezieht sich im Ursprung jedoch auf den berittenen Massenkampf mit Kolben oder Schwert. Das Tournieren (Wenden) der Pferde war ausschlaggebend, weil die Teilnehmer oft zu Hunderten auf engstem Raum agierten.

Neben großen Turnieren gab es aber auch eine privatere und individuellere Form: den Pas d‘ Armes (Tanz/Gang der Waffen). Ein Pas d‘Armes war kleiner als ein Turnier an königlichen und fürstlichen Höfen, aber vor allem im 15. Jahrhundert von höchstem Prestige. Hier konnten die Kämpfer all ihre technischen und höfischen Fähigkeiten zeigen. Ungefährlich war dies nicht: Die Teilnehmer mussten sich auf das ehrenhafte Verhalten der Gegner verlassen, sollte es nicht zu schwereren Verletzungen oder gar zu tödlichen Unfällen kommen.